+++ Anekdötchen +++

  

Kraft des Spargels oder SpargelSchnack

Da, wo ich herkomme, bei Oldenburg ( der Oldenburger sagt: Oldenburch), gibt es laut Financial Times die größte Schweine- und Kinderdichte. Nice. Aber es gibt auch Gemüse, vor allem Spargel.  Den kauft man nicht bei Rewe, sondern vom Hof. Und da schnackt man op platt (was ich euch ersparen werde, weil ich es nicht kann und für diese paar Wörter schon Googel fragen musste. schlimm.)

So kam es dann, dass die Siemer beim Pfingstbesuch im elterlichen Hause zum Spargelkauf geschickt wurde – nicht mit rotem Käppchen und Korb, so fortschrittlich sind wir dort auf dem Land dann schon und der weite weite Weg über das platte Land ist dem Kind dann doch nicht zu Fuß zu zu muten.

Und weil Pfingsten war und dazu noch Spargelzeit und das halbe Umland die gleiche Idee hatte, fand ich mich am Ende einer gefühlten hundert Meter langen Warteschlange wieder. Der Stadtmensch ist ja gewohnt, dass es an der Kasse recht zügig zugeht – nicht so bi us to hus. Da hat man noch Zeit und ich kein IPhone zwecks Beschäftigung dabei. Machte aber nichts, da konnte in Ruhe die Produktpalette studiert werden. Auf dem Land gibt’s nämlich noch heimische Äpfel für paradiesische Kilopreise neben Einweckgläsern mit selbstgemachten Rouladen, Sülze und anderen fleichhaltigen Produkten, die ja vom Stadtmenschen zu horrenden Preisen in neuen Szene-Läden gekauft werden.

Während ich da so wartete, mit selbstgemachtem Likörchen liebäugelte und die Leute um mich herum beobachtete, stand eine ältere Dame vor dem grünen Spargel und entschied sich ganz mutig zum Kauf von diesem. Den hätte sie ja noch nie probiert, wie man den denn zubereite? Muss man da wirklich nur das untere Drittel schälen? Ja, das sei richtig, und der sei auch schneller gar, informierte sie Frau Jahn vom Hofladen.

Der junge Mann neben der Dame pflichtete bei, dass man den auch ganz toll braten könne, das hätte er neulich mal ausprobiert. Nur Pfeffer und Salz dran, das sei gar köstlich gewesen. Das höre sich ja auch mal interessant an, erwiderte die Dame. Und eine Mutter mit zwei Kindern erzählte von einem Spargelsalat in Kombination mit frischen Erdbeeren und Balsamico Dressing. Plötzlich ging eine rege Diskussion los, wie man den welchen Spargel gut zubereiten könne und welche Varianten es außer der klassischen Sauce-Hollandaise, Kartoffeln und Schinken es denn noch gäbe. Der eine schwört auf Spargel-Quiche, der nächste hatte einen Tipp für Spargelsuppe, grüner Spargel in Teig und frittiert, man hätte in diesen zwanzig Minuten, die ich dort wartete, ein ganzes Spargelkochbuch zusammen tragen können.

Als ich an der Reihe war, wurde ich fast ein bisschen traurig, dass ich nun gehen musste – so schön war der Moment dieses regen Austauschs unabhängig von Alter und fernab von schlauen Ratschlägen, was denn nun das beste, tollste Verfahren bei der Spargelzubereitung sei. Einfach nur Austausch zwischen Menschen, die sich vorher nicht begegnet sind und wahrscheinlich so schnell nicht wieder treffen werden.

Vielleicht nächstes Jahr zu Pfingsten. Dann werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein.

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