#2 Nachhaltigkeit – theoretisch leicht…

Leute, ich habs Euch ja schon angedroht – die harte Theorie zum Thema Nachhaltigkeit wird nachgeholt. Na denn mal ran an die Buletten…
Zunächst steht natürlich wieder die Frage: Nachhaltigkeit – was ist das eigentlich? Denn auch, wenn dieser Begriff ebenso wie das Stichwort Partizipation in aller Munde ist und mittlerweile nicht nur die Lebensmittelindustrie und die Modebranche, sondern sogar schon die privaten Fernsehsender mit diesem Begriff jonglieren, ist es wichtig, das Feld erst mal abzustecken. Hier also zunächst der Versuch einer Definition:

Unter Nachhaltigkeit versteht man ein Leitbild mit dem Bestreben, ökologische, ökonomische und soziale Interessen und Belange so in Einklang miteinander zu bringen, dass die Lebensgrundlagen für alle Menschen auf der Erde und für zukünftige Generationen gesichert sind.

(vgl.: Wolf, Mehr Partizipation durch neue Medien, 2003, S. 17)

Dabei ist der Gedanke so neu nicht – geht er doch auf den Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung von 1987 zurück, dem die Erkenntnis zugrunde liegt, dass die Ressourcen unserer Erde nun mal nicht un-endlich sind und die Umwelt immer mehr in Schieflage gerät.
Fünf Jahre später wurde das Ganze noch konkreter: 1992 in Rio de Janeiro wurde das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in einer Agenda zusammengefasst, die dann von den unterzeichnenden Staaten verpflichtend in Handlungsfelder übertragen werden sollten. Mit dabei eben auch die Bundesrepublik Deutschland (vgl. ebd., S. 14).
Soviel zu den Hintergründen. Seitdem ist viel passiert – vor allem die Debatten im Bereich Energieversorgung, Konsumverhalten und Lebensmittelindustrie zeigen die immer stärker werdende Relevanz eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der Umwelt.

Im wesentlichen geht also um drei Bereiche, mit denen man einigermaßen verantwortungsbewusst und voraus denkend umgehen sollte – Umwelt, Konsum und Miteinander. Gerade in den ersten beiden Bereichen hat sich in den letzten Jahren viel verändert –  seit Fukushima scheint die Menschheit aufgewacht zu sein, was den Umgang mit ökologischen Faktoren angeht. Und plötzlich wollten alle Strom aus erneuerbaren Energien. Aber muss denn immer erst etwas schlimmes passieren, damit sich etwas ändert?
Und wie verhält es sich im sozialen Bereich? Demos sind nach einer Flaute wieder zum Trend geworden: Es wird gestreikt, demonstriert und protestiert – endlich scheinen wir zu erkennen, dass die Verantwortung für die Gesellschaft eben nicht allein bei den Politikern liegt, sondern das Potenzial zur Gestaltung unserer Lebenswirklichkeit doch bei uns liegt.

Somit sind es in erster Linie drei Bereiche innerhalb des Nachhaltigkeitsdiskurses. Diese können aber nicht isoliert betrachtet werden,  sondern stehen in Wechselwirkung und teilweise auch in Konkurrenz miteinander. Looks like this:

 

Es ist also ein Leitbild, das auf eine ganzheitliche Entwicklung abzielt. Dazu gehört auch der Umgang miteinander, der nach Jahren des Einzelkämpfertums neu aufgelegt werden muss.
Was braucht es dafür? Vor allem doch eins: Gesellschaftliche Verständigungsprozesse, um heterogene Interessen, Werte und Wissensressourcen bündeln und umsetzen zu können.
Hier greift wieder das Potenzial partizipativer Projekte – Teilnahme und Teilhabe sind die Schlüsselfaktoren für eben diese Verständigungsprozesse und damit für die Herausbildung einer verantwortungsbewussten Gesellschaft (ich verweise an dieser Stelle auf die Einträge zum Thema Partizipation: #2 und #3). Denn nur, wenn wir die verschiedenen Interessen und das Wissen innerhalb unserer Gesellschaft als tragende Ressource verstehen, können partizipative Projekte als Möglichkeit und Chance gesehen werden. Bleibt die Frage: Was für ein Wissen? Das im nächsten Artikel – jetzt erst einmal hinaus in die wirkliche Welt.

In diesem Sinne: Ein famoses Wochenende!

 

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