#3 Nachhaltigkeit – ein Nachruf

Was bisher geschah: Partizipative Projekte wurden als wichtiger Faktor für die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft definiert und der Begriff Nachhaltigkeit einigermaßen aufgedröselt – warum einigermaßen? Die allgemeine Diskussion um Nachhaltigkeit stützt sich auf drei Säulen: Ökonomie, Ökologie und das Soziale (und wer jetzt denkt wie jetzt? schaue sich die Grafik des letzten Eintrags an) –  aber irgendwie fehlt da noch was. Mir zumindest. Deshalb möchte ich das Modell an dieser Stelle um eine Säule ergänzen, nämlich den Faktor Kultur.

Und ich spreche hier nicht nur von Kultur im Sinne „heute machen wir mal einen auf Kultur und gehen ins Museum“, sondern ich meine die Kultur des Einzelnen, die Kultur, die auf den Interessen und dem Wissen des Einzelnen basiert.

Vor allem Letzteres ist in dieser Betrachtung von großer Bedeutung, daher zunächst ein Exkurs zum Begriff Wissen:

Wissen soll hier verstanden werden als eine Interpretation sowohl von Informationen, als auch von kognitiven Prozessen, das heißt, es ist mit Wissen ein Erkennen, Erfahren und Finden gemeint. Ich spreche hier weniger von Fachwissen, als vielmehr von Alltagswissen. Dieses Alltagswissen leitet unser Handeln und meine Entscheidungen. Es ist individuell und somit ein wichtiger Bestandteil der eigenen Identifikation. Wenn man das Wissen also als etwas ansieht, was auf Erfahrungswerten basiert, ist es eng verknüpft mit dem Begriff Erinnerung. Wobei die Abgrenzung darin besteht, dass Erinnerungen noch dazu einen emotionalen Charakter haben.

Beides – Erinnerungen und Wissen sind Produkte meines Gedächtnisses und somit grundsätzlich nicht für andere zugänglich. Die Zugänglichkeit wird erst durch Kommunikation erreicht – Kommunikation wiederum ist ein In-Beziehung-Treten mit meinem Gegenüber. Es ist ein Teilhaben und Teilnehmen. Kommunikation ist somit Partizipation, Partizipation ist Kommunikation und eine Voraussetzung für die eine nachhaltige Gesellschaft. Im Grunde ist es doch so, dass Nachhaltigkeit innerhalb der drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales doch erst stattfinden kann, wenn das Wissen innerhalb der Gesellschaft zugänglich und transferiert wird. Insofern muss das Drei-Säulen-Modell zu einem Vier-Säulen-Modell erweitert werden. Sieht dann so aus:

 

 

Im letzten Eintrag habe ich es ja schon angedeutet: Wir müssen anfangen, verschiedene Interessen und das Wissen innerhalb unserer Gesellschaft als tragende Ressource zu verstehen. Denn im Wissen und vor allem im Alltagswissen liegt eine ungeheure Kraft, die es frei zu setzen und zu nutzen gilt für die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft sowohl auf ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Basis. Diese Kraft kann aber eben nur frei gesetzt werden, wenn Kommunikation und damit Partizipation stattfindet.

 

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