24 GÄNGE

24 GÄNGE

Von Februar bis Juni 2012 habt Ihr mich tatkräftig bei der kollektiven Sammlung unterstützt – insgesamt 47 Rezepte wurden in die roten Bücher geschrieben, gezeichnet und geklebt. Jedes erzählt seine eigene Geschichte. Ihr wurdet Teil eines einzigartigen Projekts und habt viele Menschen an Euren Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen teilhaben lassen.
Wie geht es nun weiter? Was soll aus all den  gesammelten Rezepten werden? Wie können sie zum Leben erweckt werden und noch viel mehr Menschen erreichen? Wie können sie Teil von etwas Größerem werden?
Lange Zeit stand an dieser Stelle ein großes Fragezeichen. Dabei lag die Lösung direkt vor meinen Füßen – nämlich mitten in der Stadt Hannover. Denn wie in jeder anderen Stadt auch gibt es eine Reihe von Problemen, die jedem schon einmal begegnet sind. Im Groben sind das:

1. Die Schere zwischen Arm und Reich
Mir geht es gut. Klar, im Studium und kurz danach muss man zwar aufs Geld schauen, aber objektiv betrachtet geht es mir verdammt gut – ich kann mir den Luxus leisten, mir darüber Gedanken zu machen, ob ich Fleisch essen möchte oder nicht, kann im Biomarkt einkaufen und mich einen ganzen Sonntag damit beschäftigen, mir ,meinen Laptop auf dem Schoß, blödsinniges Zeug auf Youtube anzugucken. Ich kann es mir erlauben, ein halbes Jahr lang der Frage nachzugehen, wie und warum und ob Menschen bereit sind, Rezepte in kleine rote Bücher zu schicken und daraus eine wissenschaftlichen Teil zu stricken.
Und während ich das mache und mich täglich durch die Stadt bewege fallen mir immer wieder die Menschen auf, die vor dem Biomarkt sitzen und darauf warten, dass ihnen mal jemand ein paar Cent oder einen Kaffee in die Hand drückt, während ich drinnen stehe und mir den Kopf darüber zerbreche, ob mir heute nach Tofu natur oder geräuchert zu Mute ist.
Outside the Society – und wir sind eben drin. Da bleibt einem vor lauter Inside manchmal kaum Zeit zum atmen. Schließlich hat man seine Abläufe, seinen Job, seinen Lebensunterhalt. Klar, tun einem die Menschen da draussen leid, manchmal gibt man auch was, aber geht ja auch nicht jedesmal und fünf Minuten später ist man auch schon wieder mit Zeitdruck, Rechnungen undsoweiterundsofort beschäftigt. So ist das. Auch bei mir.
2. Leerstand von Gewerbeflächen
Als ich nach Hannover zog, sagte man mir, die Nordstadt sei hipp und toll. Oder Linden. Da gäbe es tolle Geschäfte abseits des Mainstreams. Ich als neugieriger Mensch also los, wollte meine neue Heimat ja erkunden, erfahren und Schätze finden. Was man so macht, wenn man das Bedürfnis nach einem Heimatgefühl hat. Abgesehen davon, dass ich von den Versprechungen und Lobpreisungen möglicherweise viel zu hohe Erwartungen aufgebaut hatte, was die Limmer Straße und den Engelbosteler Damm angeht, war ich erstaunt von der Menge an leerstehenden Ladenflächen. Und ich habe das Gefühl, dass die in dem Jahr, das ich jetzt hier wohne, noch mehr geworden sind. Schade für die Stadt und die Bürger – man könnte doch so viele tolle Sachen darin realisieren. Probleme gibt es schließlich genug. Und Menschen, die Lösungen für Probleme haben, für die eine Ladenfläche als Teil der Lösung zu Gute käme, auch. Soviel zu Teil zwei.
3. Lebensmittelverschwendung
Über die Lebensmittelverschwendung braucht man ja nun wirklich nicht mehr viele Worte zu verlieren – das sollte mittlerweile bei jedem angekommen sein, dass da was gewaltig schief läuft. Bei uns allen. Wer sich noch einmal die genauen Zahlen vor Augen führen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, den Artikel über den Wegwerfwahn zu lesen. Aber ist das Problem nun weniger geworden? Auch wenn wir im Alltag darauf achten können, können wir Einfluss auf die Wegwerf-Gewohnheiten von Supermärkten, Restaurants oder Kantinen nehmen? Da bleibt doch auch genug übrig, was nicht weggeworfen werden müsste. Behaupte ich jetzt einfach mal so frei heraus.

Problemdarstellung schön und gut. Aber es geht hier nicht nur um das Aufführen von Problemen. Jedes Problem ist auch eine Chance. Basteln wir also aus den drei Themenfeldern ein Projekt.
24 GÄNGE. Der Name ist Programm: Vom 1. bis zum 24. Dezember haben wir die Möglichkeit, uns diesen drei Themen anzunehmen und mal was anders zu machen, als wir es gewohnt sind.

Wie?

In 24 Gängen. An 24 Tagen und zwar vom 1. bis zum 24. Dezember soll jeden Tag aus den gesammelten Werken öffentlich gekocht, gebacken und gerührt werden. Diese Gerichte sollen dann an Menschen verteilt werden, die es besser gebrauchen können, als wir.
24 GÄNGE ist Appell und Statement zugleich:

An uns selbst – wenn wir unseren Alltag einmal reflektieren, mal etwas anderes machen und die Adventszeit mal nicht lediglich als Stressfaktor sehen, sondern uns vor Augen führen, was sie eigentlich sein sollte – und das muss ich ja nun nicht erklären, was es damit auf sich hat.

An Vermieter von Gewerbeflächen und an die Stadt Hannover – wir brauchen einen Raum. Klarer Fall. Ohne das geht’s nicht. Und wir brauchen den für nur einen Monat. Das ist für die meisten Vermieter ein Problem. Die Aktion kann aber auch als Standort-Aufwertung verstanden werden. In vielen Städten gab es in leerstehenden Flächen temporäre Aktionen, die einen Beitrag zur Sichtbarmachung leisten können.

An die örtliche Gastronomie und an Lebensmittelmärkte – um kochen zu können, werden Lebensmittel benötigt. Sonst wär ja der ganze Witz weg. Wir brauchen also Spenden in jeglicher Hinsicht – ob mit tatkräftiger Unterstützung oder in materieller Form.

Ein halbes Jahr habe ich mich mit Rezepten, Erinnerungen, Partizipation und Nachhaltigkeit beschäftigt. Ich wollte nicht nur ein Stück vom Kuchen geben, ich wollte mit Euch zusammen einen Kuchen backen. Der Kuchen ist gelungen – jetzt soll er auch geteilt und gegessen werden, denn dazu sind Kuchen schließlich da.

Also nicht lang schnacken – mitgemacht! Jede Hilfe ist willkommen. Kontaktmöglichkeiten wie gehabt über info@rezepteaufreise.de oder mobil 0172 4574089.

Ich freue mich auf Euch und ein tolles Projekt!

Eure Catharina

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